Angst vor dem Ende?

Umkirch, 14. November 2004. Vor rund 170 Zuschauern feierte die Evang. Kirchengemeinde Umkirch heute ihren 17. XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene. Zum Thema "Angst vor dem Ende?" boten die etwa 50 Mitwirkenden dabei ein bewusst tiefgehendes Programm - die leisen Töne waren diesmal das dominierende Moment.

"Wie geht es Ihnen", fragte Jan Völkel die Besucher in seiner Begrüßung, "sind Sie vom Tod eher abstrakt oder direkt betroffen?", und sprach damit eines der großen Probleme an, die sich bei einem derart persönlichen Thema stellen: Jeder ist vom Tod betroffen, ob man will oder nicht. Es gibt keinen, der sich ihm entziehen kann, denn letztlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis man mit den Fragen nach den letzten Dingen konfrontiert wird.

Entsprechende Aufmerksamkeit wurde dem Gespräch mit Antonia Kiechle entgegengebracht, die von ihren Erfahrungen als Koordinatorin der Hospizgruppe Eichstetten berichtete. Mit einfühlsamen Worten beschrieb sie die unterschiedlichen Ängste von Sterbenden und ihren Angehörigen. Man könne Sterbebegleitung nicht nach einem bestimmten Konzept "abarbeiten", sondern müsse sich bei jedem Sterbefall völlig neu mit dem Thema Tod auseinandersetzen und auf die einzelnen Personen einlassen. Sie käme, so Frau Kiechle, stets mit leeren Händen zu den Trauernden, und oftmals könne sie auch nicht mehr bieten als reines Zuhören. Als besonders eindrückliches Beispiel schilderte sie das Erlebnis junger Eltern, die ihr dreijähriges Kind durch eine Krebserkrankung verloren, und die von Nachbarn und Angehörigen danach - aus Unsicherheit - meist gemieden wurden. Dabei sei es hier besonders wichtig gewesen, die Trauernden nicht allein zu lassen und ihnen immer wieder das Gespräch anzubieten.

Dass ein solches Gespräch natürlich auch mit Gott geschehen kann, machten die "Rainbow Singers" (Leitung: Torsten Schwarz) mit dem Gospel "It's me (Standing in the need of prayer)" klar. Überhaupt dienten die Lieder der Bandmusiker und der "Rainbow Singers" auch diesmal wieder nicht nur als "Pausenfüller", sondern stellten eigene wertvolle Programmbeiträge dar. Alle Lieder hatten mit dem Tod zu tun, waren in liebevoller und wochenlanger Kleinarbeit einstudiert worden und riefen große Begeisterung beim Publikum hervor, insbesondere das von Claudia Pflaum selbst komponierte "Come Bernadette", aber auch der Hit "The Rose" sowie der fetzige Gospelsong "Testify to love".

Ein zweigeteiltes Stück hatte die Theatergruppe (Buch und Regie: Claudia Pflaum) vorbereitet. Zunächst beeindruckte das auf ein Leintuch projizierte Schattenspiel des verzweifelten Familienvaters, der mitten auf dem Höhepunkt seines beruflichen und privaten Lebens mit der Diagnose "Unheilbar krank" konfrontiert wird. Dann boten die SchauspielerInnen einen kleinen Eindruck in das "Leben danach", so wie sie sich die Zeit im Himmel vorstellen, nämlich bunt, fröhlich und - vielleicht am wichtigsten - mit dem Gefühl verbunden, endlich zu Hause zu sein.

Den Übergang vom Leben in den Tod thematisierte auch Pfarrer Fritz Breisacher in seiner Ansprache. Als zentrale Aussage gab er den Zuhörern zu bedenken: "Alles nimmt dir der Tod, wenn er das Ende ist. Alles gibt dir der Tod, wenn er die Wende ist." Und weiter: Entweder wird Gott uns im Tod fertigmachen. Oder er macht den Tod fertig. Entweder fertigt uns Gott im Tod ab. Oder er fertigt den Tod ab. Entweder entsorgt er uns durch den Tod. Oder er entsorgt den Tod und wickelt ihn ab. Die entscheidende Frage sei, was wir im Tod von der Begegnung mit Gott zu erwarten hätten.

Der Angst vor dem Ende könne man nur kraftvoll mit dem Glauben an die Liebe Gottes gegenübertreten, von der uns Jesus mit seinem Leben und Sterben überzeugen wollte. Noch mehr: sein Tod und seine Auferweckung von den Toten seien die zentrale, wesentliche Botschaft der heiligen Schrift. Eben nicht: du musst so und so leben, damit dir Gott ein gnädiger Gott sein kann. Sondern Gott ist dir ein gnädiger Gott. Was er an meinem Leben auszusetzen habe und was einem schreckliche Ängste und manchmal schlaflose Nächte bereiten könne, das habe sich tödlich im Sterben Jesu am Kreuz ausgetobt. Davon und deswegen habe der Glaubende nichts mehr zu befürchten. Der Tod und das Sterbenmüssen seien nur noch eine notwendige Verwandlung, wie die Verpuppung der Raupe notwendig sei, damit sie zum Schmetterling verwandelt wird, weil (so wörtlich): "wir so, wie wir sind, für die ausstehende und sich in aktiver Vorbereitung befindliche Party im Himmel, für das "rocking on heavens floor" nicht richtig taugen."

Viel Gesprächsstoff hatten die Besucher nach dem Gottesdienst mit ins BistroCafé gebracht, wo sie sich bei Kürbiscremesuppe, Baguettes und Wienerle über das Gesehene austauschten und über ihre eigenen Erfahrungen mit Tod und Abschiednehmen ins Gespräch kamen. Zudem konnten hier richtige Schatzkisten bestaunt werden, die zahlreiche Kinder im vom Barbara Gassenbauer organisierten Kinderprogramm selbst gebastelt und mit Glitzerstaub verziert hatten.

Nach der Weihnachtspause beginnen wir mit den Vorbereitungen für den 18. XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene am 13.03.2005 zum Thema "Du kannst mich mal kreuzweise!" Über neue Mitwirkende, insbesondere in Chor und Theater, freuen wir uns sehr.


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