Einigkeits-XXL: Schwarz - Rot - Geld

Umkirch, 15. November 2009. Ein Stück deutscher Geschichte wurde im 32. XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene unter dem Motto "Schwarz-Rot-Geld" wieder auf ganze eigene, subtile Weise hinterfragt. "20 Jahre Mauerfall" - oder doch eher "Geschäftsfall"? lautete die provokativ in den Raum gestellte These.

Das rund 25-köpfige Team um Pfarrer Fritz Breisacher hatte es sich dabei nicht leicht gemacht, in der Band, im Chor und im Theater treffende Antworten auf ein Thema zu finden, das die Menschen in Deutschland eigentlich vereinen sollte, aber doch allzu oft voneinander zu trennen droht.

Einen kurzen Einblick in das Leben einer ehemaligen DDR-Bürgerin gewährte Colette Kirschhöfer, die als Interviewgast von Jan Völkel von ihren Erlebnissen beim "Rübermachen" im Jahr 1988 berichtete. Als 18-jährige nahezu auf sich allein gestellt, ertrug sie das damalige menschenunwürdige Ausreiseverfahren, um dann ein Jahr später vom Westen aus den Fall der Mauer mitzuerleben...

Die "Gier nach immer mehr" war das zentrale Thema des Eröffnungsliedes der XXL-Band (Text und Musik: Nancy Herz, Solo: Andy Gehrke). Zum Nachdenken über das Gelingen oder Scheitern der Wiedervereinigung luden auch die Songs "Freiheit" von Marius Müller-Westernhagen und "Trägheit" von Annett Louisan ein. Alle Register zog der Chor "taktvoll" unter der Leitung von Jochen Stuppi mit dem frech von reinen Frauenstimmen vorgetragenen Hit "Lage der Nation", den man sonst nur von den "Wise guys" kennt.

Vom "Wahn-Sinn" der letzten 20 Jahre Deutschlands erzählte das Theaterstück von Christa Rinklin (Leitung: Stephanie Manz, Requisite: Elke Gerriets). Blühende Landschaften wanderten dabei schonungslos in den Müll, Bananen bahnten sich ihren Weg in den Osten und Friedensgebete wurden in der Abteilung "Nostalgie" abgelegt.

Pfarrer Fritz Breisacher stellte sich und den Besuchern in seiner Ansprache die Frage, warum das Wunder der deutschen Wiedervereinigung im Bewusstsein und Denken und Handeln vieler so ins Banale abgleiten konnte. Das große Geldmachen auf der einen, Hartz IV auf der anderen Seite -- aus dieser Spannung heraus spannte Pfarrer Breisacher den Bogen zum Anbruch des Reiches Gottes, das sich nicht an historischen Ereignissen festmache, sondern bereits mitten unter uns sei.

Nach den vielen Fragen und Zweifeln appellierte der Chor in seinem Stück "Zusammenhalten" für mehr Einheit, bevor im großen Finale von Band und Chor der motivierende Song "That's what friends are for" erklang. Im BistroCafé bot Familie Alberts zum Abschluss Gelegenheit, sich bei Buletten und Kartoffelpuffern die Vorzüge des (wiedervereinigten) Deutschlands auf der Zunge zergehen zu lassen.


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