Ewige Jugend ist einfach Wahnsinn!

Umkirch, 3. Februar 2003. Mit viel Frische und Esprit ging gestern der 10. „XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene“ über die Bühne. Angeregt durch das Thema „Ewige Jugend ist einfach Wahnsinn!“ waren rund 150 Besucher ins Evang. Gemeindezentrum gekommen, und sie erlebten ein abwechslungsreiches Programm – die bewährte „XXL-Mischung“ aus Talk, Theater und Musik eben.

Mit mächtig Schwung eröffnete die XXL-Band den Gottesdienst, und schon nach den ersten Takten war klar, dass die kürzlich getätigten Investitionen in eine neue Beschallungsanlage gut angelegtes Geld waren: Marlene Herrschaft (Gesang), Michael Utz, Andreas Gehrke (Gitarren), Holger Meier (Bass) sowie Schlagzeuger Olaf Berthold machten den legendären „Kinks“ mit dem Eröffnungsstück „Dedicated follower of fashion“ alle Ehre und begeisterten im Verlauf des Gottesdienstes auch mit ihren Bearbeitungen von „Vergiss es nie“, „Up around the bend“, „Ströme lebendigen Wassers“ und „Slow turnin’" die Zuschauer.

Äußerst agil und jugendlich präsentierten sich auch die „RainbowSingers“ unter Leitung von Torsten Schwarz, die nach der Begrüßung durch Jan Völkel mit den Gospels „Go, tell it on the mountain“, „I opened my mouth“ und „Oh freedom“ den Weg ebneten für Dr. Christoph Andree, der als plastischer Chirurg an der Uniklinik Freiburg der Einladung gerne nachgekommen war, in einem Gottesdienst über sein Arbeitsgebiet „Schönheitsoperation“ kritisch berichten zu können. Seine Arbeit, so führte er aus, unterteile sich dabei in zwei Bereiche, die rekonstruktive Chirurgie und die kosmetische Chirurgie. Während erstere vor allem dem Wiederherstellen des Körpers nach Unfällen oder schwer wiegenden medizinischen Eingriffen diene, gehe es bei letzterer den berühmten Falten, krummen Nasen und Krampfadern an den Kragen. Es sei zwar nicht möglich, so Dr. Andree in humorvoller Weise, 50-Jährige zu 25-Jährigen zurechtzuschneiden, wohl aber, durch Faltenglättung, Facelifting oder Fettabsaugung den Kunden ein jüngeres Aussehen zu verpassen. Deren Wunsch nach Verjüngung resultiere häufig aus dem Gefühl, äußerlich schneller zu altern als innerlich, und eine Schönheitsoperation werde als gute Möglichkeit angesehen, diesem äußerlichen Altersprozess entgegenzutreten. Dabei lege er als behandelnder Arzt Wert auf eine gründliche vorherige Beratung der Patienten, denn eine Schönheitsoperation sei schließlich wie jede andere OP ein Eingriff mit einigen Risiken und in manchen Fällen auch nicht mehr rückgängig zu machen.

Das Spannungsfeld zwischen Jugend und Alter stellte die neunköpfige Theatergruppe um Regisseurin und Autorin Claudia Pflaum feinfühlig dar. Ein Mann, körperlich gehandicapt und modisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit, findet bei den jungen, beschäftigten und aktiven Menschen keinen Anschluss. Ebenso wird er kurz später, nun in coolen Klamotten und Walkman im Ohr, von der älteren Generation abgelehnt. Erst als er, erneut als Senior, hilflos vor der Bühne steht und nicht mehr weiter weiß, wird er von einer jungen Dame in die Mitte gestellt und man erkennt: Jung und alt gehören zusammen. Sie sind Geschwister.

Auf diesen Dualismus baute Pfarrer Fritz Breisacher auch seine Ansprache auf. Angeregt durch Werbeplakate der Umkircher Fitness-Factory brachte er allerhand eigene Erlebnisse aus der Welt der Fitness und Wellness zum Besten, ehe er zur überraschenden Aussage kam, in den Augen manch alter Menschen mehr Jugendlichkeit zu erkennen als in den wohltrainierten Hintern der Fitnessstudiobesucher. Jugendlichkeit sei keine Frage der körperlichen Verfassung, sondern des geistigen Zustandes. Wo auf frisch gestählten Muskeln ein totes Hirn throne, sei von Jugendlichkeit nichts zu sehen. Geistige Jugend resultiere aus einer lebendigen Beziehung zu Gott; Jugend sei Leben, und ewige Jugend sei ewiges Leben, und dies sei nur durch den Glauben an Jesus Christus zu erlangen. Kritische Fragen aus dem Publikum kamen im anschließenden Kreuzverhör zur Sprache. Abgesehen davon, ob auch er als Pfarrer Antifaltencremes nehme, richtete sich das Interesse vor allem auf die Frage, warum Gott äußerliches Altern zulasse und wo die Grenze zwischen Jugend und Alter zu ziehen sei.

Dass Pfarrer Breisacher und sein Team allerdings nicht nur an die innere Jugend, sondern auch an den äußeren Alterungsprozess gedacht hatten, erwies sich am Schluss des Gottesdienstes, als allen Besuchern verschiedene Kosmetikproben zur Erfrischung der Haut überreicht wurden, die die beiden Umkircher Apotheken "Schloss" und "Am Gutshof" kostenlos zur Verfügung gestellt hatten.

Insgesamt waren es somit gelungene 80 Minuten, was sich nicht nur in der gelösten Stimmung nach dem Gottesdienst, sondern auch in den angeregten Diskussionen bei „Eintöpfen aus Omas Suppentopf“ und „Speisen für die Jugend“ im BistroCafé (organisiert von Brigitte Ebert und Astrid Laug) widerspiegelte. Hier konnte auch ein Wunschbaum bestaunt werden, den die rund zehn Kinder des Kinderprogramms von Roman Dreibach, Sabine Lotze, Séverine Gehrt und Michael Thoma gebastelt und gestaltet hatten.

Nach einer kurzen Verschnaufpause beginnt das XXL-Team mit den Vorbereitungen für den nächsten XXL, der am 6. April um 18 Uhr zum Thema „Männer haben nie Probleme!“ gefeiert wird. Dazu sind Mitwirkende in Chor, Theater, Technik und Kinderprogramm herzlich willkommen. Vorkenntnisse sind nicht nötig, bei Interesse wenden Sie sich am besten an Pfarrer Fritz Breisacher, Tel. 07665/972103 oder Fax. 07665/972104.


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