F(r)isch gestrichen

Umkirch, 21. Juli 2003. Bei strahlendem Sonnenschein feierte die Evang. Kirchengemeinde Umkirch gestern ihren 12. "XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene" mit rund 600 Besuchern auf dem Umkircher Gutshof. Im Rahmen des Festwochenendes "Der Gutshof bebt" hatten Kirchengemeinde, Musikverein, VfR und Angelverein erstmalig gemeinsam ein dreitägiges Festprogramm organisiert und in Umkirchs historischer Ortsmitte aufgeführt. Das Thema dieses XXLs richtete sich dabei ganz nach dem eigentlichen Grund des Festwochenendes, dem Jahreshock des Angelvereins: "F(r)isch gestrichen" behandelte Fisch und Fleisch gleichermaßen.

Dabei wurde schnell klar, dass der Fisch das verbindende Element zwischen einer christlichen Gemeinde und einem Angelverein ist, schließlich bezeichnen sich Christen selbst als Fisch – in Anspielung auf das griechische Wort "Ichthys", das zum einen "Fisch", zum anderen aber auch als Abkürzung "Jesus Christus, Gottes Sohn und Retter" bedeutet. Der Fisch diente insbesondere in Zeiten der Christenverfolgung als geheimes Erkennungszeichen.

Waren im Vorfeld dieses ersten Open-Air-XXLs Aufregung und Anspannung noch besonders groß, stellte sich nach anfänglichen Startproblemen mit der Technik schnell die nötige Konzentration und Ruhe ein, um das vorbereitete Programm gut und überzeugend "rüberzubringen". "Schwerstarbeit" verrichteten dabei insbesondere die „RainbowSingers", die unter Leitung von Torsten Schwarz gemeinsam mit der XXL-Band vier anspruchsvolle Lieder einstudiert hatten. Dank der genialen Tonmischung von Steffen Läuger und Holger Meier kam das gesamte Klangvolumen des Chores auch unter freiem Himmel hervorragend zur Geltung, den Solisten (Steffen Meier bei "Chosen" und Claudia Pflaum bei "Summertime") war ihre Freude an der Funktion als "Leadsänger" deutlich anzumerken.

Inhaltlich entwickelte sich ein breiter Bogen – von der Kunst bis zur gesunden Hautbräune. Zunächst stellte sich die Umkircher Malerin Zuzana Blumenfeld-Kenk den Fragen von Jan Völkel rund um das Thema "Kunst". Frau Blumenfeld-Kenk, die seit Jugendtagen Bilder malt und bereits über 40 Ausstellungen organisiert hat, erzählte dabei von der "doppelten Stärke" der Kunst, einerseits Künstlern die Möglichkeit des Ausdrucks eigener Gefühle zu geben und andererseits dem Betrachter des Kunstwerks neue Perspektiven zu eröffnen. Das Kreative am Malen, aus einer weißen Leinwand ein schönes Bild zu schaffen, erinnere sie an den schöpferischen Akt Gottes. Vor den Augen des Publikums nahm sie dann Pinsel und Farbe zur Hand und malte an ihrer Staffelei ein großformatiges Bild - einen Fisch natürlich, der – nach endgültiger Fertigstellung – die Räumlichkeiten unseres Gemeindezentrums zieren wird.

Die Theatergruppe unter Leitung von Claudia Pflaum setzte, eine Strandszene unter sengender Südseesonne darstellend, gänzlich andere Akzente. Dicht an dicht liegen blasshäutige Menschen am Strand und unterwerfen sich dem Diktat der Sonne. Braun werden sie vielleicht, doch Farbe bekommen sie nicht – ganz anders als die drei jungen Menschen, die beginnen, sich mit dem Buch der Farben, der Bibel, zu beschäftigen. Sie kehren vom "Teutonengrill" nicht nur mit gebräunter Haut, sondern mit durch und durch schillernden Farben zurück. Bildlich gesprochen: Sie haben nicht nur etwas für ihr "Fleisch", sondern auch für ihren "Fisch" getan. Egal ob ihr Leben nach außen hin blass oder farbig wirkt – ihr Christsein ist auf alle Fälle bunt.

Diese Idee griff auch Pfarrer Fritz Breisacher in seiner Ansprache auf. Farbe von der Sonnenbank sei und bleibe oberflächlich; was zähle, sei allein die "innere Farbe", das, was Gott in einen Menschen hineingemalt habe. Wie bei einem Kunstwerk bemesse sich der Wert eines Menschen nicht an dem Bild an sich, sondern daran, welcher Künstler das Bild gemalt habe. Ob sich das Leben derzeit bunt darstellt oder eher grau in grau, sei nicht unwichtig, aber eher zweitrangig, "das wirklich Wesentliche am Kunstwerk Ihres Lebens ist nicht, was es darstellt, sondern wer es gemacht hat. Da steht ein Meistermaler hinter dem Kunstwerk Ihres Lebens! Das Bild hat seinen Wert nicht an sich. Sondern durch den Meister, der es gemalt hat. Taxieren Sie Ihren Wert nicht nach Hell oder Dunkel, nicht nach grau oder bunt, nicht nach Gesundheit oder Krankheit, auch nicht nach Leistung und Vermögen. Sondern danach, dass Sie wertvoll sind, weil von Gott

Die Fragen des anschließenden Kreuzverhörs drehten sich im Wesentlichen um das Spannungsverhältnis bunt – blass. Wieso es trotzdem dunkle Zeiten im Leben gebe, auch wenn man von Gott bunt gemalt sei, oder wieso Gott mit bösen Menschen auch schlechte Bilder male, diese und andere Fragen stellten Pfarrer Breisacher vor eine echte Herausforderung, doch schaffte er es, im engen Zeitrahmen befriedigende Antworten zu finden.

Nach der nun anstehenden Sommerpause beginnen nach den Sommerferien die Vorbereitungen für den nächsten "XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene", der am 16. November um 17 Uhr zum Thema "Leb Wohlstand" gefeiert wird. Dann allerdings nicht open air, sondern wie gewohnt im Evang. Gemeindezentrum.


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