Herr rauf und Herr runter auf Gottes Achterbahn

Umkirch, 17.05.2004. Vor rund 130 Zuschauern feierte die Evang. Kirchengemeinde Umkirch gestern ihren 15. "XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene". Für ein im wahrsten Wortsinne bewegendes Thema hatten sich die Mitarbeiter dabei bewusst eine ruhige Gangart ausgesucht: "Herr rauf und Herr runter auf Gottes Achterbahn" entpuppte sich somit nicht als hektisches Thema, sondern als tiefgründiges, nachdenkenswertes Lebens-Problem.

Gleich zu Beginn gaben die "Rainbow Singers" (Leitung: Torsten Schwarz) den Takt vor und die Richtung an. "My soul's been anchored in the Lord" sangen sie zu Beginn und nahmen damit die zentrale Aussage des Gottesdienstes schon vorweg: "Meine Seele ist fest verankert im Herrn", was nach Meinung von Moderator Jan Völkel nichts anderes heißt, als dass bei Gott Ruhe und Halt zu finden seien, auch wenn um einen herum die Wellen hoch schlagen würden.

Mit sämtlichen Höhen und Tiefen des Lebens vertraut zeigte sich die Interviewpartnerin des Abends, Schwester Inge Kimmerle. In Freiburg nach Aussagen mancher inzwischen bekannter als der Oberbürgermeister, berichtete sie lebensfroh und einfühlsam zugleich von ihrer dreifachen Tätigkeit. So ist sie nicht nur Leiterin des "s'Einlädele" im Freiburger Stadtteil Stühlinger, sondern vor allem engagiert in der Kiewhilfe, einer Freiburger Initiative zur Unterstützung von Straßenkindern der ukrainischen Millionenstadt. Darüber hinaus ist sie ausgebildete Seelsorgerin und bietet biblisch-therapeutische Seelsorge an. Hier versuche sie, anhand von biblischen Maßstäben Menschen Wege aus ihrer Not und Verzweiflung zu zeigen. Gerne packe sie dafür ein kleines Notfall-Köfferle, in dem hübsche kleine Dinge wie Gummibärchen, Mutzusagen oder auch schon mal gute Musik zu finden seien und der dem verzweifelten Menschen ein wenig Trost bringen könne, wenn die Lage besonders schlimm sei.

Das Auf und Ab des Lebens gleiche einer Kreuzfahrt, fand die Theatergruppe. Verschiedene Personen unterschiedlicher Eigenarten besteigen einen Luxusliner und müssen nun mit den Unwägbarkeiten einer Schiffsreise zurechtkommen. Bezeichnend, dass ausgerechnet der großspurige Angeber beim ersten größeren Sturm sich übergeben muss - hat er doch das Hilfsangebot der Schiffscrew in Form eines medizinischen Kaugummis übermütig ausgeschlagen. Übersetzt auf die Verhältnisse im "richtigen Leben" heißt dies: Wer die Hilfsangebote Gottes ausschlägt, braucht sich nicht zu wundern, wenn es ihm beim ersten kleinen Sturm schnell den Magen umdreht. Und auch: Auch Christen bleiben Höhen und Tiefen im Leben nicht erspart; sie haben aber eine Hilfe, an die sie sich wenden können - Gott.

In die gleiche Richtung argumentierte auch Pfarrer Fritz Breisacher in seiner Ansprache. Wir alle säßen in unserer speziellen Achterbahn, rasante Berg- und steile Talfahrten blieben keinem erspart, auch Christen nicht. Gott erspare keinem diese "Ups and Downs" - aber er sitze im gleichen Wagen. Gott sei gewissermaßen der Sicherheitsbügel, der einen nicht aus der Bahn fallen lasse. O-Ton aus der Predigt: "In der Achterbahn meines Lebens ist Gott der Sicherheitsbügel. Er verhindert nicht die Fahrt, nicht die Fliehkräfte extremer Lebenssituationen, nicht die Schockgefühle des freien Falles. Gott ist nicht dazu da, mir ein gemütliches Sofakissenleben zu gewährleisten. Er ist der Sicherheitsbügel, der verhindert, dass ich aus der Bahn fliege, der mich hält und mich in so mancher Steilkurve daran erinnert, dass ich mich selber allein gar nicht halten könnte. Er ist das Kreuzfahrtschiff, auf dem ich sicher fahren kann auch in stürmischen und dramatischen Zeiten. Aber nicht nur als kurze Episode meines Lebens für ein paar Tage und Wochen für eine elitäre Menschengruppe, die sich das halt leisten kann. Sondern als Lebensmöglichkeit ein ganzes Leben lang. Geradezu als Rückzugsort für Menschen mit ihren Ängsten und Nöten, als Gelegenheit, die im Grunde lächerlichen persönlichen Sicherungsmaßnahmen, die Schwimmflügelchen und Gummistiefel des Lebens über Bord zu schmeißen und einen neuen Ankerpunkt zu gewinnen oder gar als Fluchtpunkt für Menschen, denen die Banalität Anderer ungeheuerlich auf den Wecker geht."

Der letzte Teil des Gottesdienst stand dann ganz im Zeichen der Verabschiedung von Birgit und Olaf Berthold, die aus beruflichen Gründen im Juni aus Gottenheim und damit auch aus der Umkircher Kirchengemeinde fortziehen werden. Fritz Breisacher sprach den beiden ein herzliches Dankeschön für ihre wertvolle Arbeit, gerade auch im XXL-Projekt aus, und überreichte den beiden im Namen der gesamten Kirchengemeinde einige Präsente: Handwerker- und Büchergutschein sowie - für den Förster Olaf Berthold - einen Raumspray in Duftrichtung "Waldluft".

Im anschließenden BistroCafé kamen die Gottesdienstbesucher bei Pizza und Pils ins Gespräch. Im Kinderprogramm, organisiert von Bernhard Pflaum und Mitarbeitern, hatten zehn Kinder gemalt, gebastelt und sogar gezaubert.

Das XXL-Team diesmal:
Ansprache: Fritz Breisacher
Band: Olaf Berthold (Schlagzeug), Andreas Gehrke (Gitarre), Marlene Herrschaft (Gesang), Holger Maier (Bass, Gesang), Claudia Pflaum (Gesang), Christa Rinklin (Gesang, Saxophon), Patrick Schillinger (Conga), Nancy Vogler (Gesang)
Begrüßung: Ulrike Sutter
BistroCafé: Monika Braun, Katharina Braun, Patricia Fritschi, Astrid Laug
Fotos: Fritz Breisacher
Interview: Sr. Inge Kimmerle, S'Einlädele Freiburg
Kinderbetreuung: Bernhard Pflaum, Sabrina Seiferling, Silvana Springer, Jessica Rieck
Moderation: Jan Völkel
RainbowSingers: Torsten Schwarz mit Gospelchor
Technik: Marco Held, Steffen Läuger, Michael Lukat, Patrick Schillinger, Manuel Ufheil, Alison Vogler
Theater: Ruth Dangel, Dennis Häringer, Gabi Kraus-Lukat, Lisa Leben, Anja Ochsenhirt, Claudia Pflaum, Isabell Seiferling, Martin Ufheil


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