Ich lasse mir doch kein X für ein U vormachen!

Umkirch, 14. März 2008. Einen ebenso abwechslungsreichen wie eindrücklichen XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene erlebten etwa 120 Besucher am vergangenen Sonntag im Evang. Gemeindezentrum Umkirch. Unter dem Motto "Ich lasse mir doch kein X für ein U vormachen" stand für 90 Minuten die Frage im Mittelpunkt, ob Gott nun Illusion oder Realität sei. Das Ergebnis war für eine Kirchengemeinde nicht überraschend: Realität, natürlich!

Das vielleicht Eindrücklichste während des gesamten Gottesdienstes war ein simpler Blick aus dem Fenster - hinaus auf einen sich im Sturm dahinschleppenden Alpinisten mit zerbrochenen Skiern auf dem Rücken. Die Scheinwelt, in der der bequeme und sowohl Kinder als auch Ehefrau lauthals kommandierende "Otto Normalverbraucher" lebt (gespielt von Peter Mattheis), zerbricht mehr und mehr: die Kinder (Marius Blüm, Jonas Kamps, Ann-Sophie Pabst) triften ins Drogenmilieu und die Prostitution ab, die Ehefrau (Stephanie Manz) wird vom galanten Liebhaber (Martin Ufheil) ummantelt und umgarnt, und die erhofften Schnittchen bleiben ebenso Wunschdenken wie die in tausend Scherben zerbrechende Bierflasche. Doch mit dem Blick durch das Fenster wird die Aussage des gesamten Theaterstücks (geschrieben und in Szene gesetzt von Christa Rinklin und Elke Gerriets) klar: Zerbrochene Scheinwelten, die Trümmer des Lebens - all dies lastet auf dem leidenden Christus.

Dass Scheinwelten dabei nicht per se negativ zu bewerten sind, sondern auch viel Gutes haben können, wurde im Gespräch zwischen Moderator Jan Völkel und Christine Weber, Klinikclown am Freiburger Universitätsklinikum, deutlich. Die Schaffung einer fröhlichen und munteren Scheinwelt, so die Sozialpädagogin, könne Kinder nicht nur für einige Zeit aus den Bedrückungen ihrer Krankheiten holen, sondern auch aktiv zum Heilungsprozess beitragen. Die Reaktionen auf die Klinikclowns zeigten sich bisweilen zwar auch in Angst der Kinder oder Ablehnung durch die Eltern, zumeist jedoch seien die Clowns mehr als willkommen.

Beide Elemente, die guten wie die schlechten Seiten von Scheinwelten, nahm Pfarrer Fritz Breisacher in seiner Ansprache auf: "Ich lasse mir doch kein X für ein U vormachen" - das sei lebenserfahrungsgesättigte Enttäuschung. Das seien Kindheitserinnerungen an die Mutter vielleicht oder an eine Lehrerin, die das Kind beim Schwindeln erwischt habe. Das sei durch geschickte Täuschungsmanöver entstandenes Misstrauen, hervorgerufen durch verschleierte oder verschleiernde Kommunikation, wo sich der Andere plötzlich so ganz anders zeigte, als er sich bisher nach außen hin präsentiert habe. Wichtig in diesem Zusammenhang sei aber auch die Frage: Macht Gott uns Menschen ein X für ein U vor? Und noch viel spannender, weil persönlicher sei die Frage: Machen wir Gott ein X für ein U vor und bluffen ihn, durch gespielte Frömmigkeit oder indem sie mit ihrem Unglauben kokettieren. Dabei sei von besonderer Bedeutung, wie ge- oder zerstörte Kommunikation mit Gott wieder zustande kommen könne.

Dabei brachte er die Zuhörer zu einer überraschenden Erkenntnis: "X für ein U" hieße, einem anderen etwas vor zu machen. Wenn man den gleichen Satz jedoch in englischer Übersetzung verstehe, käme eine gänzliche andere Bedeutung heraus: "X for U" hieße dann plötzlich: "Christus für Dich": Selbst wenn noch viele weitere Luftschlösser und Seifenblasen des Lebens platzen müssen, solle man sich auf dieses X for you – diesen "Christus für Dich" einlassen, auch wenn andere das ganz anders sähen und einem weismachen wollen, dass man diesbezüglich einer Täuschung aufgesessen sei.

Umrahmt wurde der Gottesdienst von thematisch passenden Liedern der Rainbow Singers (geleitet von Elisa Denk) und der Band (Andreas Gehrke, Stephanie Manz, Christa Rinklin, Patrick Schillinger, Thomas Schittenhelm, Nancy Vogler, Jan Völkel und am Mischpult Stefan Schillinger sowie Timo Schultz). Im anschließenden BistroCafé (organisiert von Annette Weidele und Katharina Alberts) blieben zahlreiche Besucher noch zu angeregten Diskussionen sitzen. Hier tauchten zur Freude aller auch die Schnittchen wieder auf, die beim Theaterstück noch reine Fiktion geblieben waren.


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