Mitte(n) im Leben

Umkirch, 27.03.2006. Die Evang. Kirchengemeinde Umkirch feierte gestern ihren 21. XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene zum Thema "Mitte(n) im Leben". Dabei waren die "stillen Töne" diesmal Trumpf: Wenig hektisches, aber viel Ruhe vermittelten die unterschiedlichen Gruppen um Pfarrer Fritz Breisacher den rund 150 Gottesdienstbesuchern.

So beschränkte sich die Band mit Ausnahme des von Bandgitarrist Andreas Gehrke selbst getexteten Eröffnungsstücks "Mitte(n) im Leben" auf ruhige Balladen (nämlich die bekannten "Ohrwürmer" von den Pussycat Dolls "Stick witu" und Mel C "First day of my life") und bekannte Mitsinglieder ("Breathe" und "I want to love you, Lord"). Rhythmisch heiß her ging es gleichwohl beim gemeinsamen Auftritt mit den RainbowSingers, die unter Leitung von Torsten Schwarz den Klassiker "Oh happy day" in neuem musikalischen Gewand präsentierten. Die Theatergruppe wiederum ließ es deutlich ruhiger angehen als sonst: Zu Tango-Musik präsentierten die sieben SchauspielerInnen das von der Regisseurin selbstgeschriebene Stück "Tango, mitten im Abschied", bei dem schnell klar wurde: Der Rhythmus des Alltags bestimmt und lenkt unsere Schritte. Wir wähnen uns mitten im Leben, ohne uns bewusst zu machen, dass wir mitten im Abschied leben. Denn erst am Ende weiß man, wo die Mitte war - sowohl lebenszeitlich als auch lebensinhaltlich.

 Pfarrer Fritz Breisacher legte in seiner Ansprache den Schwerpunkt auf etwas gänzlich anderes: "Die Mitte meines Lebens", sagte er, "ist da, wo ich Gott begegne"; sie lässt sich nicht arithmetisch bestimmen noch ist sie vom Grad der Gesundheit, irgendeinem Fitness-Index, dem Einkommen oder der gesellschaftlichen Stellung abhängig. Wer sich als ein Geschöpf Gottes sehen kann, der begreift: ich bin weder zu früh noch zu spät auf der Welt und habe schon gar nicht über ein unbedeutendes Leben zu klagen. An persönlichen Äußerungen des 1906 geborenen und 1945 ermordeten evangelischen Theologen, Denkers und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer wurde dies konkretisiert: "Mitten im Leben muss Gott erkannt werden!" – sagte Bonhoeffer gegen alle, die meinen, Glauben sei etwas für Kinder, Küche, Kirche, und das sagte er für alle, die begriffen haben, dass der Glaube an Gott mitten im Leben wirkt und dass der Glaube erst recht das Leben mittet.

Ausgesprochen Interessantes wusste der Talkgast des Abends, Wilhelm Rinklin vom gleichnamigen Naturkostvertrieb aus Eichstetten, im Interview mit Moderator Jan Völkel zu berichten. Vor 30 Jahren gründete er als "Pionier der deutschen Bio-Szene" den ersten Vertrieb für biologisch produzierte Lebensmittel Deutschlands, damals noch weitgehend mit Produkten des elterlichen Bio-Bauernhofs, inzwischen mit mehreren 1000 Artikeln aus aller Welt. Den derzeitigen Bio-Boom führte der Agrarexperte nicht nur auf die wiederholt auftretenden Tierseuchen wie Vogelgrippe oder Rinderwahn zurück, sondern vor allem auch auf ein geändertes Lebensgefühl beim Konsumenten. Biologisch erzeugte Lebensmittel seien nicht mehr nur etwas für "Spinner", sondern immer mehr auch für junge, dynamische Menschen interessant, die auch mit Hilfe gesunder Nahrungsmittel zu einem "guten Lebensgefühl" finden wollen. Dies zeige der "Siegeszug", den Bioprodukte in immer mehr Supermärkten anträten.


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