Vater Morgana - Gibs Gott

Zum 24. Mal hatten Pfarrer Fritz Breisacher und sein Team zum "XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene" gebeten, diesmal zum Thema "Vater Morgana - Gibs Gott". Dabei dominierten diesmal die leiseren Töne: Viel Nachdenkenswertes klang bei Band, Chor, Theater und im Interview durch.

Den Anfang machte Michael Thoma, Umkircher Eigengewächs und seit 2002 Student der Evang. Theologie. Im Gespräch mit Jan Völkel berichtete er von seinen Erfahrungen als Theologiestudent; aktuelle Forschungstrends kamen dabei ebenso zur Sprache wie persönliche Erfahrungen, die er bei der "Erforschung Gottes" macht. Thoma führte aus, dass ein Theologiestudium zwar nicht "Glauben lernen" bedeute, dass allerdings sehr wohl der Glaube hinterfragt und damit auf ein festeres Fundament gestellt werden könne.

Gott auf die Spur gingen auch die Mitwirkenden der XXL-Theatergruppe. In einem von Christa Rinklin geschriebenen und unter Leitung von Stephanie Manz auf die Bühne gebrachten Stück entwickelte sich ein tiefsinniger Dialog zwischen einem Penner und einem Geschäftsmann - unterbrochen durch teils atemberaubende Schatten-Szenen hinter einem separaten Vorhang, die die Abgründe des menschlichen Wesens deutlich machten. "Wo", so die alles bestimmende Frage, "angesichts Gewalt, Verzweiflung und Streitereien Gott sei", wurde vom Penner mit einer verblüffenden Aussage beantwortet: im Herzen nämlich. Durch gute Gedanken und vor allem Taten, so die Aussage, kann Gott auch heute wieder ins Spiel gebracht werden.

Diese Botschaft griff Pfarrer Fritz Breisacher in seiner Ansprache abermals auf. Er führte aus, dass die Existenz Gottes selbst für glaubende Menschen in besonderen Lebenssituationen fraglich werde könne. Was wäre, wenn es Gott nicht gibt? Was wäre, wenn sich schlussendlich herausstellt, dass das alles mit Kirche und Glauben, mit Beten und Vertrauen und Hoffen und Handeln ein gigantischer Riesenflop war? Die komplette Hölle würde brüllen vor hämischem Spott und Gelächter – was aber nicht zu befürchten wäre, weil es sie dann ja auch nicht gäbe. Am Beispiel eines "Gottesbeweises", den man Einstein zuschreibt, erläuterte Pfarrer Breisacher, dass das Problem unseres Glaubens an die Existenz Gottes darin begründet liegt, dass wir Gott in unserem Leben "nur" eine Rolle zuweisen. "wir weisen Gott in unserem Leben eine Rolle zu. Mal eine große. Mal eine kleine. Mal ist er nur Statist. Oft spielt er keine Rolle. – Wenn ich mir das klar mache, dann lösen sich mir manche Rätsel. Eigentlich will Gott nämlich gar keine Rolle spielen. Sondern Regisseur sein. Nicht funktionieren nach meinem Gusto. Sondern mein Leben gestalten. – Ich glaube, ich müsste und sollte doch etwas mit ihm anfangen können, dabei will er mit mir neu anfangen. Ich denke, ich müsste ihm etwas bieten können – dabei ist seine Zuwendung mir gegenüber unüberbietbar. Ich bin auf der Flucht vor dem Vatersein Gottes, weil ich mir ein Bild von ihm mache: Gott muss funktionieren, wie ich es denke, er müsste Leid und Not dieser Welt verhindern, aber mir bitteschön alle Freiheiten belassen, die ich für mich reklamiere – wie gesagt, ich weise ihm eine Rolle zu in meinem Leben, dabei will er keine Rolle spielen. Sondern Regisseur sein. Die Fata Morgana besteht nicht darin, dass es Gott nicht gibt – sondern ihn nicht so gibt, wie ich ihn mir denke."

Am Beispiel der Geschichte vom verlorenen Sohn wurde deutlich, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen BEliebtsein (was der verlorene Sohn solange war, solange er sein Geld unter den Freunden verschwenden konnte), und dem wahren GEliebtsein, das sich darin zeigte, wie ihn sein Vater wieder in die Sohnschaft aufnahm.

Der Schluss der Ansprache mündete in eine "Entlastungs-"Einladung: "Demnach liebt Gott mich also nicht nur, so wie ich bin; er selbst will unter allen Umständen auch von mir geliebt werden, so wie ich jetzt grade bin! Gibs Gott, deine Liebe, so wie du jetzt gerade bist! Was ist das für eine Erleichterung, eine Befreiung, eine Erlösung! Gibs Gott. Deinen Ärger, deinen Zorn, deine Zweifel, deine Fragen, deine Hoffnungslosigkeiten, deinen Dank – aber auch deine Liebe. Gibs ab, was dich kümmert, und nimm an, dass er dich uneingeschränkt und ewig liebt. Es ist keine Fata Morgana. Es ist Wirklichkeit, weil er der Vater ist."

Für die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes sorgten in bewährter Manier die XXL-Band (Andreas Gehrke, Marlene Herrschaft, Christa Rinklin, Patrick Schillinger und Nancy Vogler) sowie die "Rainbow Singers" unter Leitung von Jochen Stuppi. Die Bandbreite der musikalischen Darbietungen ließ keine Wünsche offen, sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Ausrichtung, so dass Besucher wie Mitwirkende nach den 90 packenden Gottesdienstminuten beschwingt ins BistroCafé strömten, wo die von Astrid Laug, Patricia Fritschi, Ursula Kies und Regina Nöthling-Karl vorbereiteten Fleischspieße und Pizzabaguettes reißenden Absatz fanden. Im von Margarete Bank und drei Konfirmandinnen durchgeführten Kinderprogramm hatten etliche Kinder einen spannenden und unterhaltsamen Nachmittag verlebt, in dem nicht nur gespielt, sondern auch schöner Osterschmuck gebastelt wurde.

Der nächste XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene findet am 15. Juli, 18 Uhr, zum Thema "Einer geht noch rein - die Sucht nach Leben" statt. Dazu sind Sie jetzt schon herzlich eingeladen.


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