Weihnachten? - Geschenkt!

Umkirch, 12.11.2005. Bereits zum 20. Mal feierte die Evang. Kirchengemeinde Umkirch gestern ihren XXL-GottesEXTRAdienst für Ausgeschlafene, ein Angebot für Menschen, die mit den herkömmlichen Formen von Kirche nicht viel anfangen können. Passend zum Jahrestag hatten sich die Mitarbeiter um Pfarrer Fritz Breisacher an ein adventliches Thema gewagt: "Weihnachten? Geschenkt!" hieß es vor rund 140 Zuschauern, und das tolle war: (Fast) nichts war wirklich weihnachtlich an diesem Gottesdienst, und doch zeigte er wohl mehr von dem Geheimnis dieses Festes als Glühweinstände, Lichterketten und Geschenkebänder.

Mit einem von Band-Gitarrist und -Sänger Michael Utz selbst komponierten Lied "Von drauß' vom Walde" gab die Band mit dem Eröffnungsstück nicht nur den musikalischen Ton an, sondern auch die thematische Richtung vor: Auf der einen Seite Konsum und Kommerz, auf der anderen Seite der Wunsch nach Heimeligkeit und Gemütlichkeit - eine Spannung, die wohl jedem gerade an Weihnachten deutlich vor Augen tritt.

So ging Pfarrer Fritz Breisacher in seiner packenden Ansprache der Frage nach, wieso eigentlich so oft Wunschdenken und Realität an Weihnachten so weit auseinander liegen, oder, mit anderen Worten, "Das Problem mit Weihnachten ist nicht, dass wir das Fest mit Erwartungen überfrachten. Sondern dass wir UNS mit selbst aufgerichteten Erwartungen überfrachten. Wir wollen es so schön und harmonisch und sentimental wie möglich haben – und wenn uns das nicht gelingt, sind wir bitter enttäuscht! Wir wollen in eine weihnachtliche Atmosphäre hineinkommen, in ein Gefühl der gespannten Erwartung, in eine Kaminfeuer- und Kerzenscheinromantik..." Die Antwort lieferte er gleich mit: "Das ist der jährliche Weihnachtsstress: nicht dass wir die Geschenke nicht zusammen haben, jedenfalls nicht in erster Linie; sondern dass uns diese Punktlandung nicht gelingt: genau auf den Punkt am 24.12. um 18 Uhr mental weihnachtlich drauf zu sein. Flugzeuge haben einen Autopiloten, um auch bei Dunkelheit und Nebel die Landeplan zu treffen – wir Menschen haben leider keinen solchen Autopiloten, mit dem wir die Weihnachtslandebahn treffen." Für ihn sei es kein Wunder, dass sich die rechte Weihnachtsfreude bei den meisten nicht einstellen wolle, im Gegenteil: "Waren die Hirten etwa weihnachtlich gestimmt? Waren Maria und Josef in Festlaune? Nein!" versicherte er, und kam deswegen zur Schlussfolgerung: "Gerade wenn Sie gestresst sind, gerade, wenn Sie sich nicht auf Weihnachten freuen können - dann sind Sie in der richtigen Weihnachtsstimmung!"

Dass die richtige Weihnachtsstimmung allein aber noch kein sinnerfülltes Fest ergeben kann, machte das von Regisseurin Claudia Pflaum geschriebene und inszenierte Theaterstück deutlich: Mitten im Weihnachtsgottesdienst fällt einer Frau voller Schrecken ein, dass sie womöglich die Herdplatte daheim angelassen habe. "Oh Gott, oh Gott", denkt sie, "bei all dem Weihnachtsstress werde ich noch verrückt" - und wundert sich, als sie vom angesprochenen Gott urplötzlich tatsächlich eine Antwort erhält. Es entsponn sich ein hintersinniger Dialog zwischen Gott und der Frau, der nach und nach klar wird, wieso Gott seinen Sohn an Weihnachten in die Welt geschickt hat, und warum er diesen später an Golgatha ans Kreuz gebracht hat, denn: "Das ist der Grund, warum ich meinen einzigen Sohn zu euch geschickt habe. Die Menschen sollten sehen und glauben. Das ist Weihnachten! Mein Kind hineingeboren in diese Welt - das dicke Ende kennst du ja."

Von einem gänzlich anderen Weihnachten als gemeinhin erträumt erzählte der Interviewgast des Abends, Willi Pfaff, Bildungsreferent der Caritas Freiburg im Heinrich-Hansjakob-Haus. Am 24. Dezember wird er gemeinsam mit einem Team aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern für einsame, arme und alte Menschen eine mehrstündige Weihnachtsfeier mit Gottesdienst, einem guten Weihnachtsmenü und Unterhaltungsprogramm auf die Beine stellen. "35.000 Singles", führte er aus, "wohnen in Freiburg - natürlich sind das nicht alles Leute, die an Weihnachten nicht wissen, wo sie hinsollen", aber immerhin rund 150 Menschen nähmen Jahr für Jahr das Angebot der Caritas am Heiligen Abend dankend an. Auf die Frage, ob er sich angesichts der ganzen Vorbereitung für dieses große Fest denn überhaupt auf Weihnachten freue, antwortete er verschmitzt: "Wenn es gut gelaufen ist, freue ich mich auf die Ruhe hinterher..."

Die rainbowSingers unter Leitung von Torsten Schwarz überzeugten mit einem "Halleluja" und einen "Irish Blessing" ebenso wie die XXL-Band, die diesmal überwiegend ruhige Stücke aus dem Bereich der Popmusik einstudiert hatte ("Suddenly" von Soraya, "The rose" von Amanda McBroom), es bei Peter Maffay's "Eiszeit" und dem abschließenden Choral "Komm du Heiland aller Welt" aber auch gewaltig krachen ließ.

Zahlreiche Besucher ließen sich bei Kartoffelsuppe, Glühwein und Bratäpfeln im anschließenden Bistro (organisiert von Monika Strobel, Brigitte Ebert und Astrid Laug) gerne auf Gespräche über die verschiedenen XXL-Aussagen und Gedanken ein, im von Barbara Gassenbauer und Helfern durchgeführten Kinderprogramm bastelten rund 20 Kinder aufwändigen Weihnachtsschmuck aus Kerzenwachs.


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